Samstag, 31. Juli 2010

Manchmal ist das Leben wie eine schlecht zu lesene Notiz
voller Kaffeeflecken vom Morgen und Weinflecken vom Abend davor.
Man hält sie in den Händen, versucht, nicht zu zittern. Versucht, klar zu sehen. Versucht, sich zu erinnern, den entziffern geht nicht.
Dann seufzt man, zerknüllt, aber schmeisst nicht weg.

Manchmal ist das Leben eine Einladungskarte.
Schön gemacht, teuer bezahlt. Weiß, mit Blumengravur, nette Worte und persönlich.
Man hält sie in den Händen, wiegt es, fühlt es, versucht zu verstehen, warum man eingeladen wurde und wozu - und warum man nicht hin will.

Manchmal ist das Leben ein Zeitungsartikel.
Man liest die Schlagzeile. Fettgedruckt - sie klingt übertrieben. Man schaut sich das Bild an, es ekelt einen und macht ein wenig traurig, aber nur kurz. Dann blättert man weiter und denkt nicht weiter darüber nach. Der Rest ist langweilig.

Manchmal ist das Leben eine Speisekarte.
Man liest, man denkt, man wählt, man bestellt und dann: " Haben wir nicht." Gut dann -
"Haben wir auch nicht". Was haben sie denn? Und am Ende bekommt man irgendeinen Scheiss, für den man mehr bezahlt als man übrig hat.

Manchmal ist das Leben aber auch wie die Bibel.
Man hat das Gefühl, es ist wertvoll, es ist tief, es ist mehr. Aber man kann es nicht fassen, nicht verstehen. Die Widersprüche dürfen nicht sein. Dinge sind klar und sind es doch nicht. Sie sind einfach - bis man zu begreifen versucht.

Aber irgendwie ist das Leben nie ein leeres, unbeschriebenes Blatt...

Dienstag, 27. Juli 2010

Tja, jetzt bin ich also vermisst gemeldet hier in Edinburgh/Schottland.
Die aeltere Lady bei der ich uebernachte hat sich solche Sorgen gemacht, als ich fuer eine Nacht nicht nach Hause gekommen bin, dass sie sofort die Polizei angerufen hat.
Ich war derweil mit einer internationlen Gruppe junger Leute unterwegs und habe das Leben genossen. Jetzt hat sie mit ihr Handy gegeben, damit sie mich jeder Zeit erreichen kann um zu checken, dass mir nichts passiert ist - na von mir aus ;). Dabei, war das einzige mal, dass so etwas wie Gefahr in der naehe war, hier in ihrem Haus. Gestern wache ich auf von lauten Schreien "Feuer! Feuer!" "ja ja - denke ich noch ziemlich benommen" Aber es stimmte. Das Haus neben an brannte. Die Zwei Chinesen wurden vom Feuer aus dem Schlaf gerissen und sind in Panik aus dem Fenster gesprungen. Immer noch im Schock sassen sie dann wenig spaeter in "unserem" Wohnzimmer und versuchten zu begreifen, dass sich noch am Leben waren.

Tja und den Rest vom Tag habe ich wieder Tourist gespielt - ist wirklich schoen hier!
Und es gibt eine absolut geniale kleine Kneipe, wo ich fast jeden Abend hingehe -live Musik und es ist unglaublich was fuer Freundschaften man in nur so wenigen Tagen knuepfen kann. Und irgendwie sind fast alle Kuenstler, die ich treffe. Was will mir das wohl sagen? ;)

Na dann auf gehts in den Endspurt - noch zwei Tage Schottland!

Freitag, 23. Juli 2010

Wie viele Meilen kann man gehen
Ohne sich selbst zu verlassen?
Und dann ist es nur ein Schritt
Und man ist nicht mehr so,
Wie man war als man ging.

Wie viele Worte kann man sagen
Ohne die Wahrheit zu erfassen?
Und dann ist es nur ein Blick
Und man weiss so viel mehr,
als am Beginn.

Wieviel Luft kann man atmen
Ohne wirklich zu leben?
Und dann ist es ein Moment
Der den Atmen raubt,
der dich lebending macht.

Wieviele Tage kann man warten
Dass sich Dinge ergeben?
Und dann stellt man fest
Es ergab sich bereits
In der vergangenen Nacht

Donnerstag, 22. Juli 2010

Wenn ich an London denke, gibt es einen Augenblick, den ich so schnell nicht vergessen werde. Eigentlich war es nichts spektakulaeres... Wenn man am BigBen vorbei ueber die Brucke geht und mitten drin Stehen bleibt, hat man das Gefuehl, London atmen zu koennen. Massen von Menschen, atemberaubende Hauser, ein Fluss, der unbeeindruckt von allem seinen Lauf nimmt. Ich liebe Bruecken! Irgendwann haben Menschen beschlossen, sich durch aussere Umstaende, wie Gewaesser nicht mehr einschraenken zu lassen und liessen sich was einfallen, diese Grenzen zu "ueberbruecken" im wahrsten Sinne des Wortes. :)

Jetzt bin ich aber schon in Schottland - toll war die Zugfahrt. Man hatte den Eindruck, die Landschaft wird immer mutiger. Galsgow hat mich heute muede gemacht. Keine Ahnung wieviele gefuehlte Hundert Kilometer ich gelaufen bin - aber man muss viel laufen um etwas schoenes zu finden in dieser Stadt ;) - die "Art Gallery" z.B

Wusstest du, dass David Livingston aus dieser Gegend kommt?! Mal schaun, ob ich sein Haus morgen besuchen kann. Und dann geht es weiter nach Edinburgh - *freu* obwohl ich zugeben muss, dass alleine unterwegs zu sein, diesmal nicht ganz so viel Spass macht (nach der tollen Gemeinschaft in Leeds...)

Donnerstag, 8. Juli 2010

Irgendwo zwischen Mikrophon, Internet -Research, schlechtem Essen, nervenden alten Frauen und hervorragenden Teammitgliedern sitzt die kleine Lydia und spielt Radio ;)

Es ist eigentlich ein bisschen einfacher als ich dachte, aber ihr, die ihr mich kennt wisst, das "Zeiten einhalten" nicht unbedingt meine Topgabe ist - und genau das ist hier aber SO wichtig. Worte wie "deathline" ein herunterzählen wie 3-2-1-go - oder du hast noch 3 Min und 21 Sek zu füllen bevor du den nächsten Jingle spielen musst... seit ihr so verwirrt wie ich?!!?

Morgen gehen wir "on air" willst du mich die Nachrichten sprechen hören?


überleg dir bloß vorher, ob du dir das antun willst ;) - es ist übrigens ein Musiksender mit jeder Menge gute Laune Musik (sching* Werbung ende)


Mittwoch, 7. Juli 2010

an einem fremden Schreibtisch sitzend auf eine weiße Wand starrend, über mir ein leeres Regal - Ein Sinnbild für diesen Blogg? Ich weiß nicht, aber in fremd, unbeschrieben und leer liegt potential und es ist genau genommen nicht so trostlos wie es erstmal scheint.

Der fremde Schreibtisch steht übrigens in England - Leeds. Zur Zeit bin ich hier auf einem zwei-wöchigen Radiokurs. (Das riecht nach Zukunft!) Noch wechseln ich zwischen Begeisterung und leichter Panik, aber ob mein Englisch für das Rothwell-Carneval-Radio reicht, erfahre ich am Freitag, wenn wir live on air gehen und eine Woche senden werden (http://www.facebook.com/rothwellcarnivalradio)

Natürlich muss ich noch einige Worte über Fußball verlieren - und welch trauriger Anfang für mein erstes Posting... ach ach - aber seltsam, wie das Leben einfach weitergeht nur wenige Minuten nach Abpfiff. Bin ich gefühllos und kalt? ;) Nein, sicher nicht, ich habe mich ja wochenlang heißer gefeiert für Deutschland. Diese Niederlage aber wurde nach durchbangtem Spiel, mit einigen Frustworten und dann einem seufzenden Schulterzucken abgetan. Vielleicht bin ich hier in Leeds zu weit ab vom Schuss um ordentlich zu trauern?

naja - "alles wird gut" sagt mein unverbesserlicher Optimismus (auch auf die Gefahr hin, dass einige mich jetzt Steinigen würde, wenn sie könnten - aber, wie gesagt, ich bin weit weit weg;) )